Heute schon im Zoo gewesen?


Fehlervermeidung bei der Tierfotografie im Zoo
Es muß nicht der strahlende Sonnenschein sein, um die Wildnis auf den Sensor zu bannen. Im Gegenteil, oft ist leicht bewölktes Wetter dafür weitaus besser geeignet.
Deshalb hier ein paar Tipps zur Tierfotografie im Zoo:

  1. Kein Blitz: In den meisten Zoos steht es bereits am Eingang, spätestens in den Tierhäusern wird man in der Regel auf das Blitzverbot aufmerksam gemacht, entweder durch Schilder oder, bei Ignorierung, durch berechtigte und deutliche Worte des Zoopersonals. Einfache Lösung: ISO rauf und lichtempfindliches Tele nutzen.
  2. Keine strahlende Sonne ohne Wolken: Strahlender Sonnenschein im Zoo hat zwei große Nachteile. Zum einen findet an diesen Tagen ein wahrer Herdentrieb von Besuchern und Kindern durch den Zoo statt, zum anderen sind Schlagschatten und die Unterschiede von Licht und Schatten jedem Sensor überlegen. Deshalb ist heller, aber wolkenreicher Himmel besser geeignet, um dem Tiger mit dem Tele auf den Zahn zu fühlen. Von den irgendwann blank liegenden Nerven, wenn die teure Fototasche mit dem gerade nicht benötigten Zubehör natürlich auf der Bank nichts verloren hat, da sitzen ja entweder ältere oder jüngere Menschen, und den tropischen Temperaturen abgesehen.
  3. Durch das Gitter fotografieren: Auch hier gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder man versucht das als störend empfundene Gitter möglichst unsichtbar zu machen. Das gelingt mit einem großen Tele, offener Blende und einer möglichst geringen Entfernung zum Gitter. Oder das Gitter wird in die Bildaussage eingebaut. Bei Wildkatzen wird man eher zur ersten Lösung neigen, bei Primaten sind Bilder mit den Fingern um die Gitterstäbe und dem neugierigen Blick mit den großen Augen fantastisch. Wahrscheinlich möchte der Mensch die Raubkatzen ohne Gitter fotografieren, um den Anschein zu erwecken, mutig der Wildkatze gegenübergestanden zu sein. Bei den Primaten ist es wohl der Wunsch klarzumachen, daß der andere der Affe ist und deshalb hinter Gittern. Diese Begründungen haben allerdings keinerlei Anspruch auf psychologische Wahrheit.
  4. Fotografieren durch Glas: Beachtet man hier ein paar Grundlagen, ist das Fotografieren durch Glas durchaus einfach, einfacher sogar als das Fotografieren durch Gitter. Auf jeden Fall ohne Blitz, aber den haben wir ja bereits oben ausgeschlossen. Eine hohe ISO-Zahl, denn die dicken Glasscheiben schlucken doch einiges an Licht. Bewegliche Gegenlichtblende. Was will er denn jetzt schon wieder, werden Sie hier vielleicht fragen. Nehmen Sie einen schwarzen Karton, basteln Sie sich eine Röhre in Größe des Objektivdurchmessers, entweder mit Tesa, versierte nehmen Klettverschlüsse, damit bleibt das Rohr flexibel für verschiedene Objektivdurchmesser. Nun gehts ganz nah an die Scheibe und, falls noch Freiraum seitlich sein sollte, wird dieser durch die schwarze Kartonröhre dicht gemacht. Und siehe da, keine Spiegelungen stören das Bild.
  5. Nutzen Sie ein Stativ. Je nach Tierart, es gibt ja auch sehr gemütliche, langsame Tiere im Zoo, sollten Sie die Möglichkeiten eines Stativs nutzen. Für die gemütlichen Tiere genügt ein solides Dreibeinstativ, für die eher unruhigen Zeitgenossen, Raubkatzen, Erdmännchen, ist ein Einbeinstativ einer hervorragende Hilfe.
  6. Gehen Sie nah ran. Vorsicht, diese Aussage ist ausdrücklich nicht wörtlich zu verstehen, denn Sie haben im Löwenkäfig wirklich nichts verloren. Auch wenn Sie anderer Meinung sein sollten, die Löwen haben sicher ihre eigene Meinung dazu und es ist besser, wenn Sie diese nicht erfahren. Gemeint ist ein großes Tele und damit Nah-, Portrait und Detailaufnahmen.
  7. Kein Verkauf. Auch wenn Sie der festen Überzeugung sind, daß die Welt, der Zoo, Microstockagenturen und wer auch immer, genau auf Ihre fantastischen Aufnahmen gewartet hat, seien Sie sich bewußt, daß Sie diese Fotos so nicht vermarkten dürfen. Sie können diese frei für Ihren Privatgebrauch nutzen, gerne dafür auch Poster machen und diese Ihren Freunden schenken, aber für alles, was eine Vermarktung der Bilder betrifft, benötigen Sie ein Property Release des Zoos. Dafür sollten Sie auch Verständnis haben und das respektieren. Die Tierhaltung ist keine einfache und erst recht keine billige Sache. Einige Zoos vermarkten sogar selbst, um die Einnahmen zu erhöhen, was den Tieren ja zugute kommt. Da gehört es schon zum guten Ton, sich nicht nur an die Anweisungen des Personals, an die Hinweisschilder und die Vorgaben zu halten. Selbst Profis, die mit Tiergärten und Zoos zusammenarbeiten, haben dabei meist eine Art Joint-Venture. So dürfen diese Fotografen diese Fotos dann selbst für die Stockfotografie einsetzen, stellen aber dafür auch Poster und Postkarten in den kleinen Zooshops direkt mit einer Gewinnmarge für den Zoo zur Verfügung. Anders wären die jeweiligen Zoobücher mit den hervorragenden Tierfotos des jeweiligen Zoos wohl unbezahlbar teuer.
  8. Tierspezialisierung pro Shooting. Konzentrieren Sie sich beim ersten Tiershooting im Zoo mal auf ein Gebiet und lassen Sie sich nicht ablenken. Nehmen Sie sich doch mal nur die Raubkatzen vor. Das geht von den Großkatzen wie Löwe und Tiger, bis runter zu den Verwandten unserer Hauskatzen, den Wildkatzen. Rechnen Sie pro Tierart durchaus mit einer Stunde, dazu Auf- und Abbau, Wanderung zum nächsten Gehege, da sind schnell vier bis fünf Stunden um. So haben Sie die Gelegenheit, in Ruhe die Tiere zu beobachten, gewisse Verhaltenswiederholungen zu entdecken und danach Ihre Kamera auszurichten. Auch die Tiere gewöhnen sich nach einiger Zeit an Ihren Anblick.
  9. Fokus manuell, auto, continuous. Zootiere bieten auch eine wunderbare Möglichkeit, die verschiedenen Fokusmöglichkeiten auszuprobieren. Der Tiger, der die ganze Zeit von links nach rechts und wieder zurück läuft, zum Beispiel, fordert den continuous-Mode.
  10. Keine Hektik. Wenn Sie bereits wie ein Gnu auf der Flucht vor dem Tiergehege hin und herspringen, Ihre Kamera von links nach rechts postieren und womöglich noch erwarten, daß die Tiere auf Ihren Zuruf „Achtung, jetzt lächeln“, positiv reagieren, tja, dann sollten Sie Ihre Arbeitsweise erstmal überdenken. Bleiben Sie ruhig, machen Sie keine hektischen oder schnellen Bewegungen, sondern langsame. Sie werden merken, daß die Tiere auf Sie aufmerksam werden. Mit etwas Glück werden diese Ihr Treiben sogar neugierig beobachten und was Besseres kann Ihnen ja garnicht passieren. Dann ist die Grundlage für eine schöne Pose fast schon zwangsläufig gegeben.

Hier habe ich beispielhaft die Seite des Heidelberger Zoos, welche Vorgaben dort für die Besucher beim Fotografieren gelten: Fotografieren im Heidelberger Zoo

Weitere Artikel zum Thema:

  1. Langweilige Tierfotos? Kleine Nachbearbeitung

Und nun viel Spaß beim nächsten Zoobesuch.

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4 Antworten zu Heute schon im Zoo gewesen?

  1. hellboy2503 schreibt:

    Schöner und interessanter Beitrag

  2. Schmetterling schreibt:

    Vielen Dank für die tollen Tipps!!!

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