Warum Canon oder Nikon und nicht eine andere Marke?


Eine Frage, die sicher vielen Käufern auf den Nägeln brennt. Meine Erfahrungen bei Verkaufsgesprächen gerade in den großen Elektronikmärkten (früher war ich selbst einmal in einem Abteilungsleiter) zeigen, daß es erst einmal darum geht, zwar ein passendes Gerät für den Kunden zu finden, aber natürlich auch das, was dem Anbieter den meisten Profit verspricht. Dabei ist natürlich auch klar, daß Firmen, die in einen bestehenden Markt neu hinein wollen, mit entsprechenden Preisen und Gewinnmargen für die Verkäufer agieren müssen. Das sagt jetzt noch nichts über die Qualität aus, dazu komme ich jetzt.
Qualität
Inzwischen sind auch die Neueinsteiger im DSLR-Bereich auf einem Niveau angelangt, das durchaus vergleichbar mit den beiden großen Marken ist. Die Zuverlässigkeit hält jeden Vergleich stand und die Abbildungsleistung der Sensoren ist sehr gut (eventuell sind die Sensoren ja auch von ein und demselben Hersteller), sodaß hier die Unterschiede eher marginal sind. Je nachdem, was einem wichtig ist, haben die neuen sogar Vorteile. Die höhere Serienbildgeschwindigkeit bei den spiegellosen Spiegelreflexkameras (naja, nicht spiegellos, aber mit halbdurchlässigem Spiegel, der eben nicht mehr hochschwingt) ist für Sportfotografen durchaus ein Vorteil. Allerdings wird dieser Vorteil (derzeit noch) mit dem Nachteil des höheren Rauschens bei hohen ISO-Zahlen erkauft. Hier bieten Canon und Nikon noch die deutlich besseren Werte, sodaß der Vorteil der höheren Geschwindigkeit nur bei sehr guten Lichtverhältnissen auch ausgespielt werden kann.
Nicht zu unterschätzen darf man hierbei auch die Sensorgröße. Es bleibt die Physik diesbezüglich unantastbar, je größer der Sensor, desto besser das Bild. Das hat fast nichts mit den Megapixeln zu tun, sondern nur mit der realen Größe des Sensors. Genauer müßte man eigentlich sagen, mit der Größe der Pixel, aber so ins Detail müssen wir derzeit nicht gehen. Schauen wir auf die Sensorgrößen im Bereich der DSLRs.

  • Four Thirds: ~ 17,3 mm x 13 mm
  • APS-C:           ~ 22,2 mm x 14,8 mm
  • Vollformat:    ~ 36 mm x 24 mm
  • Mittelformat: ~ 48 mm x 36 mm

Gleiche Pixelzahl erkauft man sich bei kleineren Sensoren mit eben kleineren Pixeln. Diese sind nicht so lichtempfindlich als ihre größeren Brüder und Schwestern, benötigen also eine höhere elektronische Verstärkung und diese erhöht zwangsläufig das Rauschen.
In diesem Bereich also gilt, wer hohe Bildserienraten benötigt und immer viel viel Licht hat, kann mit den „neuen“ durchaus glücklich werden. Wer jedoch hohe ISO-Zahlen benötigt, erkauft sich die hohen Bildraten mit deutlich erhöhtem Rauschen.

Objektive
Natürlich liegen die neuen Hersteller im DSLR-Bereich hier deutlich im Hintertreffen, allerdings ist die reine Menge an verschiedenen Objektiven noch kein Qualitätskriterium. Auch die Erfahrung im Objektivbau ist nicht nur bei Canon und Nikon vorhanden. Sony ist ebenfalls seit Jahren in der Objektivherstellung im amateur und professionellen Film- und Videobereich aktiv, steht hier also den Großen in nichts nach. Auch die Fremdhersteller bieten inzwischen ihre Renner auch für die neuen Marken an. Was allerdings bleibt, ist die Tatsache, daß es für die beiden Platzhirsche auch Spezialobjektive gibt, für die es bei den neuen Konkurrenten schlichtweg noch keinen Markt gibt. Höchstwahrscheinlich würden Sie ein Hochleistungsteleobjektiv für den Preis eines Mittelklassewagens nicht vermissen, Profis vermissen diese aber schon. Bei großen Sportveranstaltungen dominieren die weißen Objektive mit dem roten Streifen oder die dunklen Objektive, einfacher gesagt, da gibt es nur Canon und Nikon. Selbst Fremdhersteller wagen sich in diesen Bereich nicht hinein, einfach weil es unrentabel ist, ein Objektiv für 10.000.- Euro (oder auch deutlich mehr) anzubieten, weil der Markt schlichtweg zu klein ist. Für Normalanwender sicherlich kein ausschlaggebendes Argument, für Profis ein klares K.o.-Kriterium.

Service
Für Normalanwender finden sich auch hier nur wenige Unterschiede zwischen den Anbietern. Anwenderberichte über schnellen und guten Service, aber auch über regelrechte Katastrophen, verteilen sich, angepaßt an die Verkaufszahlen, relativ gleichmäßig. Gegner einer Marke werden auftauchende Probleme immer hochspielen, während solche Mängel in der Regel für den Anwender meist innerhalb weniger Wochen schon durch ein Firmwareupdate behoben werden können. Gerüchte und Erfahrungen über komplette Rückrufaktionen ganzer Serien kann man getrost ins Märchenland verbannen, da sind diese gut aufgehoben. Für Normalanwender gibt es hier also wenig Unterschiede, vorausgesetzt die Marke existiert noch.
Anders verhält es sich auch hier für die Zunft der professionellen Fotografen. Hier bieten Canon und Nikon garantierte Reparaturzeiten von wenigen Tagen und kostenlose Leihgeräte. Bei großen Sportveranstaltungen stehen den Fotografen Service-Center zur Verfügung, die von Reinigung über Systemcheck bis zum Objektivverleih dafür Sorge tragen, daß ein Ausfall entweder nicht vorkommt, oder schnellstmöglich kompensiert wird.

Vertrauen
Vertrauen? Ein merkwürdiger Grund? So scheint es auf den ersten Blick, für mich ist das jedoch einer der entscheidensten Gründe. Ich möchte Vertrauen in meinen Hersteller haben, daß er mich qualitativ nicht enttäuscht, daß Service und Zubehör erhältlich ist und, für mich ein entscheidender Punkt, daß es ihn auch morgen noch gibt. Wer seit vielen vielen Jahren in dem Bereich Fotografie unterwegs ist, hat einige Firmen kommen und auch wieder gehen sehen. Dabei meine ich nicht einmal die Filmindustrie wie Kodak oder Agfa, die den Umstieg auf die digitale Welt nicht verkraftet haben. Damit meine ich die vielen Hersteller von Fotoapparaten, die es in den letzten zwanzig Jahren gab. Selbst im Digitalzeitalter entdeckten einige eine neue große Welt, in der sie versuchten, sich einen festen Platz zu erkämpfen. Wer sich den Spaß einmal machen möchte, es ist ja auch ein sehr lehrhaftes Beispiel für unsere Wirtschaftssysteme und deren Gesetze, der sucht mal im Internet in den Anfängen der Digitalkameras. Als die erste bezahlbare DSLR, die Canon 10D, auf den Markt kam, gab es kurze Zeit später einige Hersteller und Marken. Heute finden sich diese nicht mehr. Aufgekauft, inzwischen teilweise schon zum zweiten mal umgelabelt, das sind für mich nicht die Grundlagen, Vertrauen aufzubauen. Und wenn ein Großkonzern, der mit viel Geldeinsatz versucht, sich hier zwischen den beiden Großen einen Teil vom Kuchen zu ergattern, dann würde ich das normalerweise eher positiv sehen. Wenn ich dazu aber parallel die Konzernzahlen sehe, die Aussichten über Entlassungen in verschiedenen Bereichen und dazu weiß, daß die Fotografie nicht das Kerngeschäft dieses Konzerns ist, dann vertieft sich bei mir eine große Skepsis über den dauerhaften Verbleib zumindest im gehobenen Amateurbereich. Und das Risiko, später vielleicht nur noch Knipsen zu können, ist mir zu hoch und mir mein Geld zu schade.

Aber das ist natürlich nur meine Meinung.

Übrigens empfehle ich in meinem Bekanntenkreis bei Nachfragen auch nur die von mir favorisierte Marke Canon und deren Kameras. Nicht weil ich Nikon schlechter finde, diese beiden Marken sind im Kleinbildbereich das Maß der Dinge und qualitativ absolut gleichwertig. Aber ich kenne nun mal „meine“ Canons aus dem effeff. Hier kann ich schnell und einfach Hilfestellung geben, auch mal ein Objektiv zeigen und ausleihen. Bei speziellen Problemen macht es für mich auch Sinn, diese bei mir nachzuvollziehen, schließlich könnte sich mir diese Aufgabe oder dieses Problem auch mal stellen. So macht es für mich Sinn. Wenn, meist aus Preisgründen, auf andere Geräte ausgewichen wird, kann ich leider nicht helfen. Und mich in ein komplett anderes System einzulesen, ist schlichtweg zeitlich nicht drin. Aber das sage ich auch von vornherein. Hilfe gebe ich natürlich dann trotzdem, aber nicht systembezogen sondern wenn es um fotografische Tipps geht.

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